Reeperbahn – Stadtteil gewordene Katerstimmung

Ohne Alkohol gäbe es keine Reeperbahn. Alkohol ist ein gutes Mittel, um Dinge oder Menschen zu ertragen, mit denen man sich sonst nicht umgeben würde. Will man aber die Reeperbahn und den umliegenden Kiez in seiner ganzen Pracht und eben nüchtern erleben, sind die Wochenenden zu den üblichen Zeiten denkbar ungeeignet. Denn dann liegt vieles in gnädiger Dunkelheit. Viel realistischer ist ein Spaziergang über die Meile, zum Beispiel um 7 Uhr morgens an einem Sonntag. Besonders in der kalten Jahreszeit. Keine funkelnden Lichter, keine camouflierende Nacht, keine zum Feiern und zur guten Laune wild entschlossenen und verdammten Junggesell/innen aus der weiteren Hamburger Prairie (Team Uschi oder so). Laut, drall und pinkfarben. Keine Kiezführungen, die lautstark ulkig verkleidet mit Megaphon dem staunenden und zahlendem Fußvolk die ältesten Dönjes verklären. Alles nicht in Sicht. Nur Urinpfützen, Erbrochenes, graues Pflaster und in den Ecken schlafende Obdachlose, Junkies und die torkelnden Zombies, die den rechtzeitigen Abgang in der Nacht verpasst haben.

Ich möchte mich in die Ecke verkriechen
aber hilft nicht
Ich könnte den ganzen Tag nur noch schreien
aber nein
Da hilft nichts auf der Welt
wenn dir St. Pauli auf den Geist fällt.

– Die Sterne –

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